Quelle – Nichts geht mehr
Auch um 19.00 Uhr geht auf der Quelle-Seite so gut wie nichts mehr.
Die Räumungsverkäufe dürften wohl äußerst mager gewesen sein, da die Webseite völlig überlastet war.
Ein Shopping-Vergnügen stellt sich da nicht ein.
Unprofessionell wurde bereits die Startseite mit Grafiken vollgestopft, anstatt den Traffic erst einmal zu verteilen.
So konnten sich die Shopper nur über den Strech-Hosenanzug auch in vielen Spezialgrößen erfreuen.
Alles muß raus – aber es geht nichts raus.
Meine Quelle.
Es ist sicherlich schwer einen Katalogversender innerhalb weniger Jahre zu einem erfolgreichen Internethändler umzubauen.
Quelle ist erst an einem Strukturwandel gescheitert und dann endgültig an der Finanzkrise, da sich niemand gefunden hat, die Käufe der Kunden vorzufinanzieren.
Der Schaden ist immens.
Wenn Politiker nun behaupten, die 50 Mio EUR für den Druck des Kataloges wären abgesichert und es würde dem Staat kein Schaden entstehen, dann ist das nur Vordergründig richtig.
Beim Druck des Katalogs wurde Geld verschwendet und landete in der Tasche des Bertelsmann-Konzerns, mit besten Beziehungen zu Frau Merkel.
Betrachtet man sich die Pressemitteilungen, wie die Politiker mit dem Druck des Katalogs unter Druck gesetzt wurden, dann kann nur der Schluß gezogen werden, es war schäbig.
Der Katalog wandert in die Papierpresse, es wird Online verkauft, die Druckereien bekommen ihr Geld, in die Röhre sehen die Lieferanten der Waren.
Meine Quelle.
Zeit darüber nachzudenken, welche Erinnerungen an Quelle zurückbleiben.
In der Kindheit war es immer ein Erlebnis, den neuen Quelle-Katalog in der Hand zu halten, jeder wollte ihn als Erster druchblättern.
Verbarg er doch die potentiellen Weihnachtsgeschenke, die dem Christkind übermittelt werden konnten.
Wie aus interner Quelle berichtet wurde, gab es allerdings für den Konzern öfters Ärger, ob denn die Inhalte der dargestellten Unterhosen richtig dimensioniert seien.
Es gab auch einige Glückliche, die Vorkollektionen günstig erwerben konnten.
Hatte man Glück, lag man im Trend, hatte man Pech, lag man völlig daneben. Man war seiner Zeit immer etwas im Voraus.
Dann war da auch die Zeit, als ein Chef seinen Zögling nach Hannover schickte, um ein Versprechen gegenüber Quelle einzulösen.
Ein Lagerhaus, eine Palette Schneider Homecomputer, eine Palette Bücher und Software, jede Menge Verkäufer, die lernen mußten, die richtige Diskette im richtigen Zeitpunkte aus dem Laufwerk herauszuziehen und dann die richtige der drei verbliebenen Disketten wieder einzulegen.
Bei Fehler Crash.
Viele unterschätzen wohl, welche Mengen von bestimmten Produkten abgesetzt wurden, wenn Quelle ein Sonderprospekt druckte.
Da mußte die Produktion vorher ordentlich hochgefahren werden, um lieferfähig zu sein.
Nicht vergessen werden sollte der Beitrag, den Quelle für die deutsche Wiedervereinigung geleistet hat.
Täglich pendelten Busse von Ostdeutschland nach Nürnberg, bis das Auslieferungslager in Leipzig fertiggestellt war.
Zuletzt habe ich dann eine Mitteilung von Quelle bekommen, ich möge doch am Tag X zuhause sein, da dann der bestellte Kühlschrank geliefert würde.
Ich hatte aber gar keinen bestellt. Die Schattenseiten des Online-Vertriebs.
Meine Quelle. Nichts geht mehr.
Ein verschenkter Verkaufstag, verärgerte potentielle Kunden.
Mögen die Mitarbeiter die Probleme so schnell wie möglich in den Griff bekommen.
Update: Quelle hat inzwischen den Hinweis von meinem Blog erhört und den gesamten Grafikmüll inklusive dem Intershop abgeschaltet.
Nun kann man wieder seinen Katalog zu Hand nehmen, in ein Formular seine Wünsche eintragen und dann wird sich jemand melden, um die Preise mitzuteilen.
Viele Quelle-Mitarbeiter werden jetzt wohl erst mal weiterbeschäftigt. Bis die das alles abgearbeitet haben ist Ostern.
Handelsblatt: quelle-ausverkauf-bringt-webseite-zum-erliegen
2 Kommentare zu “Quelle – Nichts geht mehr”
Der Ausverkauf bei Quelle, betrachtet man den Run online und erst Recht auf die Stores, ähnelt mehr einer Leichenfledderei denn eines seriösen und geordneten Ausverkaufs.
Interessant, dass das Gros der Ware ausgerechnet über das Internet verkauft wird oder werden soll, jener Sparte die von Quelle so sträflich vernachlässigt wurde und somit einer der vielen Totengräber von Quelle darstellt.
Zwar hatten IT-Experten vor dem Ausverkauf die Computersysteme extra nachgerüstet, ließ ein Sprecher von Quelle verlauten, aber die Serie von Pleiten, Pech und Pannen zieht sich wie ein roter Faden bis hin zum Ausverkauf.
Interessant zu Beobachten ist aber das Kundenverhalten; gibt es etwas vermeintlich Günstiges, zudem noch in groß angelegtem Rahmen, und das vom einstigen Flaggschiff der Versandhäuser, möchten alle etwas vom Kuchen abhaben. Wirkliche Preisvergleiche finden nur selten statt, denn würde der Verbraucher die Preise der „heruntergesetzten“ Ware tatsächlich mit vergleichbaren Angeboten der Mitbewerber abgleichen, die Lager von Quelle wären an Weihnachten noch mehr als zur Hälfte gefüllt.
Rabatte von 10 Prozent, wie sie auf technische Ware gewährt werden, handelt der kluge Käufer mittlerweile in nahezu jedem Technikmarkt aus – nur dass die Ware dort von Hause aus schon günstiger ist – vom Service über den Kauf hinaus, der bei Quelle ja nun entfällt, ganz zu schweigen.
Zugegeben, mit Mode kenne ich mich weniger aus, daher richtete sich, rein Informativ, mein Fokus auch auf die Ware der Quelle Technik-Center.
Die dort angebotene Ware entspricht zu großem Teilen einem Sortiment wie es vor 2 bis 3 Jahren bei den Mitbewerbern angeboten wurde, Aktualität scheint nicht die Stärke von Quelle gewesen zu sein. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich in anderen Sparten ähnlich verhält.
Der Tod von Quelle begann schleichend schon vor etlichen Jahren (Auflösung vieler Quelle Kaufhäuser) und hat viele Väter. Bleibt nur zu hoffen, dass die anderen Großen der Branche ihre Lehren daraus ziehen.
Das Sterben der Kaufhäuser in den Innenstädten ist in vollem Gange, überlebende wird es nach Abschluss dieses Prozesses wenige geben, allerdings sind in diesem Falle auch die Kommunen gefordert.
geschrieben von Peter Scheurich am 04. Nov, 2009
Quelle.de wieder abgestürzt.
Man fragt sich ernsthaft, wie die ihre Produkte verkaufen wollen.
Wer geht tagelang auf eine Seite, in der Hoffnung, etwas 10 – 30% billiger zu bekommen?
Interessant ist doch so etwas erst am Ende, wenn es 50 bis 70% Rabatt für die Restposten gibt.
So, wie bisher die ersten 4 Tage verlaufen sind, wird es am Ende viele Notverkäufe geben.
geschrieben von MZ am 04. Nov, 2009