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Persönliche Meinungen und Thesen

Opel – Fehlentscheidung in Detroit

GM pokert hoch und wird wohl alles verlieren.
Im Prinzip wäre die Entscheidung richtig, Opel im GM-Verbund zu belassen.
Fiat möchte Chrysler mit europäischen Autos sanieren.
Da wäre es für GM viel einfacher, GM mit Opel zu sanieren.
Doch daran wird in Detroit im GM-Verwaltungsrat nicht gedacht.
Stattdessen wird auf Staatshilfe gepokert, die europäischen Regierungen werden Opel schon retten.
Ein trügerisches Spiel.
Zum einen wurde Russland verärgert, dort soll immerhin in den nächsten Jahren der größte europäische Markt entstehen.
Putin wird nun den Marktanteil von GM in Russland genauer unter die Lupe nehmen.
Die Kanzlerin, die sich von der SPD in die Opel-Retter-Rolle treiben ließ, ist beschädigt.
Die FDP wird sich bei Herrn Schäuble für die Mißachtung der Steuersenkungspläne bedanken.
Wer keine Steuern senken kann, weil er keine höhere Schulden machen will, der kann bei Opel nicht die Spendierhose anziehen.
Diese Ausgabe für Opel finanziert sich mit Sicherheit nicht selbst.
Da GM kein Konzept für Opel vorweisen kann, das dauerhaft tragfähig ist, bleibt nur die Abwicklung des Unternehmens.
So hart das im Einzelfall klingen mag, aber es bestehen Überkapazitäten, und eine Erhaltung von Opel auf Staatskosten verschlingt Steuermittel, ist nicht zukunftsfähig und beschädigt die anderen deutschen Automobilhersteller.
Damit rechnet man in Detroit nicht, aber genau dies wäre jetzt notwendig.
Der Imageschaden für GM, aber auch für Amerika und Obama, ist gewaltig.
Die Einführung des GM-Elektroautos, entwickelt in Rüsselsheim, können sie erst einmal auf später verschieben.
Wer möchte einen neuen Astra kaufen?
Wer möchte einen neuen Astra vor der Türe stehen haben, den der deutsche Steuerzahler massiv subventioniert?
Da wünsche ich allen Astra-Käufern viel Spaß mit ihrem neuen Auto.

“Die Bundesregierung bedauert die Entscheidung des Verwaltungsrates von General Motors, Opel nun in eigener Regie zu restrukturieren und im Konzern zu behalten”
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm

Bezahlt GM 1,5 Mrd. EUR Überbrückungskredit zurück und die Bundesregierung und die Länder zahlen, wie von GM gewünscht 3 Mrd, dann verbleiben 1,5 Mrd. EUR, die nicht lange reichen.
Dann wird es nicht nur bei Opel eng, sondern auch für die Bundeskanzlerin.

Aber auch GM ist in den USA noch lange nicht über den Berg.
Zum einen sind die Fortschritte von Ford schon sichtbar, aber auch Hyundai wird GM auf dem amerikanischen Markt noch erheblich zusetzen und VW muß seine Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent erheblich ausweiten, möchten man die Nr. 1 in der Welt werden.

Süddeutsche: Das Opel Desaster

  1. Ein Kommentar zu “Opel – Fehlentscheidung in Detroit”

  2. Der Alptraum ist brutale Wirklichkeit geworden. GM macht mit einem Federstreich alle Bemühungen der Bundesrepublik, der Gewerkschaften und allen Opelanern, mit weitreichenden Zugeständnissen Opel eine tragfähige neue Struktur zu geben, den Garaus. Es drängt sich der Verdacht auf, dass in Detroit skrupellos gepokert und mit Magna Scheinverhandlungen geführt wurden, bis man selbst wieder Boden unter den Füßen hatte – dass darüber allenthalben Zorn vorherrscht ist mehr als Verständlich.

    Bei näherem Hinsehen wird dem Betrachter aber schnell klar, dass die verkündete Entscheidung keineswegs eine einsame in den Büros der US-Autometropole war.
    Spätestens nach dem Einstieg des US-Staates als Haupteigentümer, nach der Insolvenz von GM, spielen weit weniger betriebswirtschaftliche als vielmehr handfeste politische Überlegungen eine Hauptrolle.

    Der nach außen hin smart und sympathisch wirkende Barack Obama mag zwar in großen Teilen der Welt den Eindruck vermitteln, in Washington wäre eine neue liebreale Zeit angebrochen, was in dem ein oder anderen Fall sicher auch zutreffen mag, aber grundsätzlich ist die Realität eine ganz andere: Nämlich immer dann, wenn es um die Wahrung der eigenen Interessen geht – und da steht das Hüten, Sichern und Bewahren von Technologien an allererster Stelle – unterscheidet er sich keinen Deut von George W. Bush oder anderen Vorgängern.

    Und wer glaubt, im White House und im Pentagon sei der kalte Krieg at acta gelegt, wird genau an dieser Stelle eines Besseren belehrt.
    Spätestens als klar wurde, dass zusammen mit Magna auch Russen künftig mit das Sagen haben würden, wurde Alarmstufe Rot ausgerufen.
    Sicher, dies hat man nicht an die Große Glocke gehängt, aber hinter den Kulissen gewannen die Falken, für die der kalte Krieg nie zu Ende gehen wird, die Oberhand – bei bedarf werden nur Waffen und Methoden gewechselt.
    Gewisse Parallelen erspare ich mir an dieser Stelle zu erwähnen.

    Unsere Kanzlerin dürfte dies, als die Nachricht sie auf ihrem Rückflug aus den USA erreichte, schmerzlich gespürt haben. Das freundliche Lächeln Brack Obamas, der Applaus vieler Senatoren und Abgeordneten ist von ein auf die andere Sekunde nichts mehr wert und muss Angela Merkel retrospektiv betrachtet fast wie Hohn vorkommen.

    Aber noch schlimmer als diese Erkenntnis ist die Tatsache, dass die Kanzlerin, die Bundesrepublik Deutschland, auch Brüssel, keinerlei Druckmittel in der Hand haben, um den zigtausend Mitarbeitern, die in Deutschland und Europa erneut um ihren Arbeitsplatz und somit um ihre Zukunft bangen müssen, effizient beistehen zu können.

    Nach dem Austausch aller Protestnoten, nach den vielen zu erwartenden und auch schon angekündigten Demonstration, nach einigen Warnstreiks, mit denen die Opelaner und sicher auch vielen die mit ihnen fühlen, zeigen werden, dass sie sich nicht alles gefallen lassen wollen, wird schnell Realitätssinn gefragt sein müssen.

    Realitätssinn wird nicht anderes bedeuten, als das wieder einmal mit viel Steuergeld versucht wird das Schlimmste zu verhindern – die Gefahr zu verschlimmbessern und Steuergelder mit offenen Augen zu verbrennen ist dabei groß.

    GM braucht Opel und den Standort Europa zum eigenen Überleben, aber nicht als Produktions- sondern als Technologieplattform und als Ausgangspunkt für die Marktdurchdringung im Osten. Dies ist das einzige Pfund, mit dem man in Europa nach wie vor wuchern kann, aber leider das Einzige, das am Ende verbleiben wird.

    Wir erinnern uns; Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, seinerzeit noch im Amt des Bundes-Wirtschaftsministers, hatte von Beginn an Bauchschmerzen bei den Verhandlungen mit GM, aber dem damaligen Koalitionspartner mussten ja leider Zugeständnisse gemacht werden.

    So kam es, wie es nun ist.

    geschrieben von Peter Scheurich am 05. Nov, 2009

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