Michael Moore – Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte
Die WirtschaftsWoche veröffentlichte ein Interview mit Michael Moore zu dessen neuestem Film “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte”.
Auf die folgenden Thesen des Regisseurs Michael Moore möchte ich näher eingehen:
a) Ein Prozent der Gesellschaft besitzt mehr Vermögen als die restlichen 99%,
b) Die Spieler des Kapitalismus beuten andere aus, um den Markt allein zu kontrollieren. Das gilt in allen Wirtschaftssektoren. Schauen Sie doch, was Goldman Sachs getan hat.
c) Wir brauchen mehr Kapitalismus, ein Sicherheitsnetz des Staates lehnt er ab,
d) Sozialismus funktioniert auch nicht, man braucht ein neues System, funktionierend auf demokratische Prinzipien, bei dem alle über die Verteilung des Wohlstandes mitreden sollten, z.B. Kooperativen, der Staat sollte Schlüsselindustrie kontrollieren.
e) die amerikanischen Gesetze verlangen von börsennotierten Unternehmen die Profite zu maximieren.
f) die Welt möge nicht Amerika nachahmen, weil sie sonst immer mehr Gewalt und Idioten bekommen
g) Ich bin eine Gefahr für Politiker und Konzerne, weil ich linke Politik massentauglich mache.
h) Sollte es auf die Barrikaden gehen?
Es steht ja kurz davor. Ich brauche ihm das gar nicht mehr zu sagen. Ich zeige den Leuten, dass sie nicht allein sind. Und dass sie sich nicht von den Konzernen einschüchtern lassen dürfen.
i) Wieso suchen Sie nicht die direkte Auseinandersetzung mit der Gegenseite?
Ich suche sie ja. Aber die Gegenseite geht mir aus dem Weg. Wenn eine amerikanische Talkshow mich einlädt, wollen sie auch jemand, der eine konträre Position vertritt. Aber da findet sich keiner.
So, so Herr Moore.
Dann lesen sie mal diesen Blog.
(hehehe, wer läßt sich schon von Konzernen einschüchtern?)
Die Welt braucht kein neues Wirtschaftssystem.
Es ist schon längst erfunden, auf dem alten Kontinent und nennt sich “Soziale Marktwirtschaft”.
Seinen Ursprung hat dieses Wirtschaftssystem in einem jahrhundertelangen Entwicklungsprozeß, bestehend aus Trauen, Vertrauen und sozialer Fürsorge.
Das eigentliche Problem besteht darin, daß die Menschen wirklich auf die Straße gehen, diesen natürlichen Entwicklungsprozeß hinwegfegen und ein neues, rein theoretisches Modell ausprobieren, mit unvorhersehbarem Ausgang.
Die Betrachtung zu den Einkommensverhältnissen ist, Entschuldigung, rein Kapitalistisch.
Zur Diskussion steht das System, wie Wohlstand für möglichst viele Menschen erreicht werden kann.
Geld und Vermögen ist völlig unerheblich.
Irgendwann wird es auch der letzte Mohikaner in dieser Wirtschaftskrise merken.
Der Mensch verschwendet viel zuviel Zeit mit dem sinnlosen Anhäufen von Geld und Vermögen.
Innerhalb von Minuten kann alles vernichtet sein oder man selbst das Leben aushauchen.
Geld, Vermögen, Leben kann nicht konserviert werden. Exodus.
Relativ langlebig ist tradierte Kultur, die Weitergabe von positiven Erfahrungen.
Es gibt auch schon die Systeme, wie allgemeiner Wohlstand erreicht werden könnte.
Es sind die demokratischen Parlamente, die Gesetze erlassen können, um einer möglichst breiten Bevölkerung ein Leben in Wohlstand zu ermöglichen.
Der Bürger kann über die Zusammensetzung der Parlamente selbst entscheiden.
Dabei sollte der Bürger allerdings einige seiner kapitalistischen Ansichten ablegen.
Der Gewinn wird nicht maximiert, indem kurzfristig abgezockt und dabei der Markt ruiniert wird.
Firmen wie Goldman Sachs, Mircosoft oder Google befolgen eben gerade nicht die amerikanischen Gesetze, weil sie mit ihren Handlungen die Märkte ruinieren und sich selbst um ihre zukünftigen Gewinne bringen.
Der Software-Markt für PCs ist doch so gut wie tot, das Anhäufen von Geld zur Altersvorsorge wurde von Goldman Sachs ad absurdum geführt, Autoren die kein Geld mehr verdienen, werden auch keine neuen Texte produzieren und Wissen nicht mehr niederschreiben.
Langfristig ist die kurzfristige Raffgier ein Desaster.
Der alte Kaufmann vom alten Kontinent war stets darauf bedacht, faire Geschäfte zu machen und erfreute sich an der Entwicklung seiner Geschäftspartner, weil das auch ihm zugute kam.
Gewinnmaxierung ist kein kurzfristiges abzocken, sondern ein lanfristiges Entwickeln und Fördern.
Ein Ignacio Lopez hat nur verbrannte Erde hinterlassen und Opel ruiniert. Die Gewinnmaximierung wurde da völlig verfehlt.
Kapitalismus hat nichts mit Umverteilung zu tun, es ist die Ressource, mit der Märkte langfristig entwickelt werden können.
Desto breiter diese Ressource gestreut ist, desto nachhaltiger entwickeln sich die Märkte.
Womit wir beim letzten, dem wichtigsten Punkt wären.
Wirtschaften hat relativ wenig mit Kapitalismus zu tun.
Unter Wirtschaften wird das Optimieren des Einsatzes von Produktionsfaktoren verstanden.
Nur der Karl-Marx-Verwirrte leitet daraus eine Kapitalismuskritik ab.
Warum sollte nicht sparsam mit Mensch, Natur und Geldmitteln umgegangen werden?
Wer nicht wirtschaftet, der verschwendet.
Eine ganze Generation, die glaubte, sich zwischen Mao und Raffgier entscheiden zu müssen, hat sich getäuscht und bekommt nun die Quittung für ihr Verhalten.
Dabei stand ethisches Verhalten in der Wirtschaft spätestens seit Mitte der 70er Jahre auf dem Lehrplan der Wirtschafts-Universitäten.
Aber welcher führende Politiker oder Industriekapitän hat schon Wirtschaft studiert?
Artikel Wirtschaftswoche: Der freie Markt existiert nicht mehr
4 Kommentare zu “Michael Moore – Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte”
Zitat: “Aber welcher führende Poliker oder Industriekapitän hat schon Wirtschaft studiert?”.
Die Genialität liegt immer in der
Einfachheit.
Am Inhalt Deines Zitats wird die “Soziale Marktwirtschaft” kaputtgehen. So wie es keinen buchstäblichen Kommunismus gab. Sondern lediglich eine Staatsdiktatur, also das Gegenteil. Oder einfacher: Diktatur.
Die Frage ist: WIE wird die “Soziale Komponente” WIEDER IN die aktuelle Wirtschaft integriert werden. WIE? WANN? WARUM? – WER?`
Volker13
geschrieben von Volker13 am 10. Nov, 2009
@Volker13
Menschen werden ab einem bestimmten Punkt einsichtig.
Allerdings eher nach dem Knall, als vor dem Knall.
WARUM? Es ist sinnvoll und Menschen haben ein Gehirn.
Es liegt an der mangelnden Vermittlung des eigentlichen Problems.
WANN? Die Menschen beschäftigen sich mit Thema dann, wenn sie betroffen sind.
geschrieben von MZ am 12. Nov, 2009
Ich bin auch der Meinung, dass das gegenwärtige System nicht funktioniert und das wir ein neues brauchen.
geschrieben von marvin am 11. Dec, 2009
Marvin,
ein System beschreibt zuerst Elemente und Zusammenhänge und Abgrenzungen. Danach erst wird es nach dieser Gebrauchsanweisung realisiert. Wir brauchen kein anderes System, an der Umsetzung liegt es. Diese begrenzt das System selbst wieder durch Fehler, die bereits begangen wurden. Manche sind irreversibel. Manche liessen sich beheben. Die Schlüsselfrage liegt bei der Kontrolle der Umsetzung: Wer kontrolliert den Kontrolleur. Der Wähler. Was macht der, er geht einfach nicht hin. Sinn oder Unsinn? Resignation oder Faulheit, Einbringen oder Passivieren? Machtzentren müssen begrenzt werden sobald sie Eigendynamik entfalten, die ein System ändern könnten. Ist da Passivität angebracht?
Volker13
geschrieben von Volker13 am 08. Jan, 2010