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Ansichten und Meinungen

Reinhard Mohn – Asche zu Asche – das Ende einer Epoche

Fährt man mit dem Boot frühmorgens in Varanasi an den Gates vorbei, dann lodern die Feuern, Scheiterhaufen werden aufgetürmt, Angehörige verbrennen ihre Toten und streuen die Asche in den Ganges.
Der Mensch kehrt in den Kreislauf von Mutter Erde zurück.
Reinhard Mohn, der am Wochenende verstorben ist, präge mit seinem Wirken entscheidend die wirtschaftliche Aufbau-Epoche, die nun zu Ende geht.
Maßstab der Leistung war der finanzielle Erfolg, dem vieles, auch das eigene Leben, untergeordnet wurde.
So verwundert es denn nicht, daß die Vertreter der zu Ende gehenden Epoche, diesen Aspekt in ihren Nachrufen hervorheben.
Es war die Idee des früheren Bertelsmann-Chefs Thielen dieses Lebenswerk in einem Film zu dokumentieren und Reinhard Mohn zum 85. Geburtstag zu schenken.
Aus finanziellen Gründen, siehe obige Ziele, hatte Reinhard Mohn zunächst bedenken, aber dann gefiel ihm scheinbar doch die Idee, den Sinn des Lebens zu ergründen.
Das Ergebnis:
Es ist ein Film über Reinhard Mohn, mit Reinhard Mohn und von Reinhard Mohn. Eine Bilanz und ein Vermächtnis.”
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“Sie sahen Sebastian Koch als Reinhard Mohn, als hageren jungen Mann in einem Militärmantel, der auf einem Trümmerhaufen in Gütersloh steht und Mitarbeitern Mut macht. Der versteht, dass seine Leute im kalten Nachkriegswinter Kohle aus dem Betrieb mitgehen lassen, damit die Familie zu Hause nicht friert, ihnen aber klarmacht, was auf dem Spiel steht: Wenn die Firma nicht läuft, gibt es gar kein Auskommen mehr, nicht für sie und nicht für ihre Familien.”

“Er sei davon überzeugt, dass Menschlichkeit stärker sei als der Kapitalismus, soll Reinhard Mohn am Ende des Film sagen. Dann geht der Fünfundachtzigjährige seiner Wege, durch Wald und Heide.”

Quelle (1): FAZ

Mit dem letzten Satz wurde Reinhard Mohn zum Visionär.
Auf seinen vielen einsamen Spaziergängen hat sich wohl irgendwann die Erkenntnis durchgesetzt, dass er und mit ihm große Teile der Gesellschaft, dem Leben nicht den rechten Sinn gegeben haben.
Was wirklich zählt ist die Menschlichkeit, schmerzhaft wird der Blick zurückgewesen sein, das private Umfeld wurde in Schutt und Asche gelegt.
Es spricht aber für den Menschen, die Menschlichkeit und die analytischen Fähigkeiten von Reinhard Mohn dies noch vor seinem Tode erkannt zu haben.
Er hatte aber leider nicht mehr die Macht und wahrscheinlich auch keinen Freund mehr, der ihm geholfen hätte, am Ende Menschlichkeit zu zeigen.

Das Umfeld trabt brav weiter illusorischen und abgedankten Zielen einer sich zu Ende neigenden Epoche hinterher.
So verwundern nicht die Maßstäbe mit denen viele das Lebenswerk des Reinhard Mohns messen, siehe Stimmen zum Tode von Reinhard Mohn weiter unten.
Dabei war er Mensch, gerade wegen seiner menschlichen Fehler.

Völlig unberührt von den gesellschaftlichen Veränderungen zeigt sich seine Frau und Ex-Telefonistin Liz Mohn.
Im Film sollen sie den Machtanspruch der Familie dokumentieren mit “Erst komme die Familie und dann sofort die Mitarbeiterschaft”.
Da wir den rücksichtslose, kompromisslosen und von jeglicher Menschlichkeit weit entfernten Führungstil ihres Sohnes Christoph Mohn erleben mußten, wird es schwer werden, die Apokalyse zu vermeiden, zurück zu den Trümmern und zum Staub.
Eventuell geht ja auch mal die Bundeskanzlerin und die Familienministerin täglich eine Stunde spazieren, um den Erkenntnisgewinn des Reinhard Mohns zum Epochenwandel nachzuvollziehen.
Auch Liz Mohn braucht gute Freundinnen, die mal ein ernstes Wort mit ihr reden.
Die Familienpolitik der Liz Mohn war verbesserungswürdig.
Eventuell merkt dann auch die Familie Mohn, daß man bei der Beerdigung eines Menschen vom Zwist abrücken und andere Menschen, ihre Meinungen, ihre Gefühle und Einstellungen respektieren sollte.
Der Machtanspruch sollte nicht soweit gehen, persönlich vertraute Personen des Verstorbenen als unerwünscht auszuschließen.
Zum Gedenken der Menschlichkeit des Reinhard Mohns.

Links:

Quelle (1): FAZ
Quelle FAZ

Stimmen zum Tode von Reinhard Mohn: meedia

Handelsblatt: Verfilmung des Lebens von Reinhard Mohn

Spiegel: Reinhard Mohns schwieriges Erbe

Asche zu Asche Yahoo Clever
Asche zu Asche Lycos iQ 2008
Asche zu Asche Lycos iQ 2006

  1. 5 Kommentare zu
    “Reinhard Mohn – Asche zu Asche – das Ende einer Epoche”

  2. Ja, der alte Herr Mohn – ein absoluter Kontrollfreak, der über seine Testamente auch nach seinem Tod noch alles im Griff haben wollte. Und wer nur im Angesicht des Todes zur Einsicht fähig ist – was sagt das über das Leben desjenigen aus? Auf solche Art Nachruf würde ich jederzeit gerne verzichten.

    Der Mann hat nach außen hin immer das Fähnlein der Familie hoch gehalten, nicht ohne seine Frau betrogen und seine Kinder wiederholt mit Versprechungen zu Vorstandsposten nach Strich und Faden belogen zu haben. Ein gutes Leben schaut anders aus.

    Und auch die Bertelsmann-Stiftung hat seit Bestehen noch nie gemeinnützig Projekte gefördert, sondern war stet nur Feigenblatt eigener Lobbyarbeit. Seit 1977 (Gründung der Stiftung) beschäftigte sich Reinhard Mohn damit, wie er den Einfluss der Familie minimieren könnte – er rechnete mit unfähigen oder streitenden Erben. Was wiederum viel über den Blick dieses Mannes auf seine eigene Familie verrät. Glaubwürdig erscheinen solche “letzten Worte” wie in dem Film suggeriert vor dem Hintergrund nicht.

    Möge er in größerem Frieden ruhen, als er zu seinen Lebzeiten zu stiften nicht in der Lage oder Willens war.

    geschrieben von grandpa_wolf am 07. Okt, 2009

  3. Ach ja – den Vergleich der Antworten in Clever (hier war die “beste” Antwort ein copy/paste) sowie die Entwicklung der Antwortqualität bei LiQ zwischen 2006 und 2008 fand ich interessant.

    geschrieben von grandpa_wolf am 07. Okt, 2009

  4. “Reinhard Mohn hat gewollt, dass seine Frau Liz seine Rolle übernimmt”, so der Bertelsmann-Aufsichtsratsvorsitzende Gunter Thielen zur “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. “Es gibt keinen Automatismus, nach dem Brigitte Mohn später die Rolle ihrer Mutter übernimmt. Christoph Mohn hat die gleichen Chancen wie seine Schwester.”

    Bei Lycos hat es 1 Jahr gebraucht, bis der gute Christoph den Kurs um 99% in den Keller gebracht hatte und immerhin noch einige Jahre um das Kapital der Eigner zu verbrennen.

    Der Wettbewerb wird diesen Part sicher mit Vorfreude vernommen haben ;-)

    geschrieben von grandpa-wolf am 09. Okt, 2009

  5. Nicht nur der Wettbewerb!

    Über den lustigen FAZ-Bericht schreibe ich noch was. ;-)

    Zwei Tage liegt der Mann unter der Erde und schon geht die Rauferei los.

    geschrieben von Admin am 09. Okt, 2009

  6. http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/10/16/trauerfeier-reinhard-mohn/800-geladene-gaeste-in-guetersloh.html

    geschrieben von IsabelRose am 17. Okt, 2009

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